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Archiv-Ausgabe 4. Oktober 2006
Unsere Themen heute:
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Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
kurz vor der Mittagspause machte der Redner seinem Ärger Luft. Er war als fünfter in einen Fachvortrags-Marathon gestartet, und ausgerechnet bei seiner Rede wurde das Publikum unruhig. Jetzt rief er Könnten Sie bitte noch 10 Minuten ruhig sein - bei diesem Lärm versteht man sein eigenes Wort nicht! Das macht nichts, rief jemand aus dem Saal zurück, Sie haben nichts Wichtiges verpasst!
Der Zwischenrufer hatte die Lacher auf seiner Seite, und der Redner war sprachlos. Wenn ich nur schlagfertiger wäre!, wird er sich gedacht haben. Dieser Wunsch ist weit verbreitet. Doch den meisten Menschen fällt nichts ein, wenn sie angegriffen werden zumal in Debatten oder Diskussionen, also vor mehreren Teilnehmern.
Egal, ob es ein dummer Spruch ist, ein unsachlicher Einwand oder eine persönliche Beleidigung, die sprachlos macht: Wie gern hätte man jetzt die passende Antwort parat, um sein Gegenüber in die Schranken zu weisen ...
Die gute Nachricht für Sie: Es gibt jetzt was gegen unfaire Attacken: Standard-Konter. Auf dieser Seite habe ich für Sie eine Reihe von Standardkontern für verschiedene Rede-Situationen zusammengestellt. Nutzen Sie ab sofort diese 18 Instant-Sätze, um sich gegen Angreifer zu wehren.
Mein Tipp: Wenn Sie öfters vor gleichem Publikum auftreten, sollten Sie jeden Standardkonter nur ein einziges Mal verwenden. Denn Schlagfertigkeit lebt vom Überraschungseffekt, und den haben Sie nur beim ersten Einsatz eines Konters.
Am besten, Sie absolvieren zusätzlich ein professionelles Schlagfertigkeits-Training z.B. mit Hilfe der 20-Minuten-Übung So lernen Sie schlagfertig, die ich gerade in den Besten Reden von A bis Z veröffentlicht habe.
Donnernden Applaus für Ihre Reden wünscht
Ihr Manfred Engel
Redenschreiber und Chefredakteur von Die besten Reden von A bis Z
PS: Sehen wir uns auf der Frankfurter Buchmesse? Ich bin am Samstag Nachmittag am Stand des Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG, Halle 4.2, Stand G 406 und freue mich darauf, Sie kennenzulernen!
Lernen von den TV-Profis wie Sie Reden packend präsentieren (Teil 2)
Im ersten Teil dieses Beitrags haben Sie bereits erfahren, was eine Rede mit einem Fernseh-Bericht zu tun hat.
Lesen Sie im zweiten Teil aus Die besten Reden von A-Z nun, warum Bewegung so wichtig ist und wie Sie und Ihre Rede damit in Zukunft noch besser beim Publikum ankommen.
- Warum Sie sich bewegen sollten
Im alten Griechenland gab es eine Philosophengruppe, Schüler und Anhänger des Aristoteles, die beim Umhergehen (griech. „peripatos“) in den Wandelgängen (griech. „peripatoi“) des Lykeion-Gymnasiums die Fragen der Welt diskutierten. Sie wurden, wie später auch Aristoteles selbst, Peripatetiker genannt.
Diese antike Form, ambulant (d. h. nicht stationär, nicht ortsgebunden) die Welt zu erkennen, entspricht genau den Erkenntnissen der modernen Gehirnforschung:
Der ganze Körper ist Gehirn, und je mehr das „Ganzkörpergehirn“ des Redners am Erkenntnisprozess beteiligt ist, desto intensiver wird der Erkenntnisprozess erlebt und vor allem auch gespeichert. Denken Sie nur einmal daran, welche guten Ideen Ihnen selbst schon auf einem Spaziergang oder beim Joggen gekommen sind!
- Warum – und wie – Sie Ihr Publikum bewegen sollten
Wie wir von den Peripatetikern lernen, soll aber nicht nur der Redner in Bewegung sein, sondern auch seine Zuhörerschaft. Man saß damals nicht starr wie heute im Raum oder im Hörsaal, sondern ging, miteinander redend, in der Wandelhalle umher.
Ideal wäre es, wenn wir heute wieder zu diesem Verfahren zurückfinden könnten. Am besten würden unsere Redner und Universitätslehrer wieder mit ihrem Publikum spazieren gehen.
Ich sehe Sie über solch eine Forderung schon lachen: „Wie, bitte schön, soll das denn funktionieren? Ich kann doch nicht die Zuhörer auffordern, aufzustehen und herumzulaufen!“
Nun, clevere Motivationsredner bringen ihre Zuhörer durchaus richtig in Bewegung, lassen sie aufstehen oder gar aufspringen,
Tätigkeiten ausführen (es muss ja nicht immer das Wandeln über glühende Kohlen oder Scherben sein) oder nach vorne auf die Bühne kommen.
Und wenn Sie jetzt sagen „Das kann ich nicht, und das passt auch nicht zu mir!“, dann können Sie Ihr Publikum ganz leicht auch auf andere
Art und Weise in Bewegung bringen. Äußerlich wie innerlich.
Innerlich, indem Sie die Zuhörer emotional mitreißen, sie fröhlich und traurig stimmen, in Wechselbäder der Gefühle tauchen. Äußerlich zum Beispiel, indem Sie
- Ihr Publikum zum Klatschen bringen
(bewegt Arme und Oberkörper),
- es zum Lachen bringen (bewegt Zwerchfell, beschleunigt Blutzirkulation, schüttelt ganze Person durch),
- Ihre Zuhörer durch packende Geschichten/Erzählweise dazu veranlassen, weit nach vorne auf den Sitz zu rutschen und sich
vorzubeugen, um nur ja kein Wort zu verpassen,
- durch häufige Änderung der Lautstärke einen ähnlichen Effekt hervorrufen (bei leisen Passagen beugt sich der Zuhörer nach vorne, hebt vielleicht die Hand hinters Ohr, bei normaler Lautstärke lehnt er sich wieder
zurück),
- Ihrem Publikum Fragen stellen und um Handzeichen bitten,
- die Zuhörer Karten ausfüllen und mit Stecknadeln oder Reißzwecken an bereitgestellte Pinnwände heften lassen,
- einen Gegenstand herumreichen, der betastet, gedreht, gewendet und
weitergegeben wird,
- Leute aus dem Publikum bitten, für Sie bestimmte Handreichungen zu übernehmen (Folien auflegen, Projektor bedienen, Tafel beschreiben) oder anderweitig zu assistieren,
- Ihr Publikum einfach schon dadurch in Bewegung bringen, dass Sie sich selbst
bewegen. Dann muss es Ihren Bewegungen folgen: mit den Augen, mit dem Körper. Es muss zur Seite schauen, wenn Sie sich zur Seite bewegen, sich umdrehen, wenn Sie hinter ihm sind usw.
- Und wenn das Auditorium am Ende gar aufspringt, um Ihnen stehende Ovationen darzubringen, haben
Sie Ihr Meisterstück vollbracht! Denn das ist für den Redner die schönste aller Bewegungen ...
- Wer sich bewegt, baut
Stress ab
Sie sollen nicht wie ein gefangener Tiger im Käfig nervös hin und her laufen, sondern Ihren ganz natürlichen Bewegungsmustern folgen. Ihr Körper weiß schon (wenn Sie ihn nicht daran hindern, also ihn nicht am Mikrofon oder Rednerpult festketten), wie und wohin er – dem
eigenen Sprechrhythmus gemäß – gehen will.
Sie werden dabei übrigens die angenehme Erfahrung machen, dass Ihr Lampenfieber abnimmt; denn Adrenalin wird durch Muskelkontraktionen, also durch Bewegung, abgebaut. Und wenn Sie sich einmal von Pult und Standmikrofon befreit haben, werden
Sie sich immer weiter davon weg trauen.
Ihre Gestik wird dadurch bald eine neue Vielfalt erreichen. Plötzlich spricht der Körper wieder so mit, wie er es in natürlichen Gesprächssituationen auch tut. Sie brauchen keine Gesten einzuüben, um Ihre Aussagen zu unterstreichen.
Ohne Pultsperre und Mikrofonzwang geht gestisch fast alles wie von selbst.
Indem Sie also hin und her wandern, geben Sie dem Zuhörer die Möglichkeit, Ihnen mit allen Sinnen zu folgen, anstatt durch Starren auf einen einzigen Punkt (das Rednerpult) sein Gehirn schläfrig auf Sparflamme
zu schalten.
Am Anfang werden Sie es vielleicht noch nicht wagen, die Bühne sogar einmal ganz zu verlassen. Das macht nichts – im Gegenteil: Heben Sie sich diesen Genuss für die nächste Stufe auf. Sie werden begeistert sein.
- Bewegung schafft Aufmerksamkeit
Jetzt könnten Sie vielleicht einwenden, Ihr Herumlaufen sei für die Zuschauer doch eher ablenkend. Das aber stimmt gerade nicht! Beobachten Sie einmal Ihr eigenes Verhalten, wenn Sie irgendwo Zuhörer und Betrachter sind.
Wie oft suchen Ihre Augen im Saal einen Punkt der Abwechslung und
wandern weg von der Salzsäule aus Redner und Pult? Wie interessant werden plötzlich Vorhangmuster, Teppichfransen, Wandbilder, Kronleuchter und das Geschehen vor den Fenstern, wenn man zum bloßen Zuhören verdammt ist?
Damit die Aufmerksamkeit des Publikums nicht abschweift, muss der
Redner den Augen der Zuschauer also lebendige Bilder bieten. Die Augen, die ja dem Gehirn vorangestellt sind, danken es Ihnen: Die Zuschauer bleiben bei der Sache – und das auch noch sehr gerne.
Bleiben Sie dran – und erfahren Sie im dritten Teil unseres Beitrags, wie Sie Rhythmus
in Ihre Rede bringen und dabei selbst ein gutes Bild abgeben.
So verblüffen Sie mit Schiller-Zitaten
Das Schiller-Jahr 2005 ist zwar schon längst vorbei. Dennoch: Mit Schiller-Zitaten können Sie immer glänzen. „Daran erkenn‘ ich meine Pappenheimer.“ – „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. “ – „Wehe, wenn sie losgelassen!“ – Einige von Schillers Sätzen sind im Laufe der Jahrhunderte zu Redensarten geworden. Doch Hand aufs Herz: Kennen Sie noch den Zusammenhang der bekannten Schiller-Zitate? Falls nein, nicht verzagen:
Erstens hilft Ihnen dieser Beitrag aus dem neuen Reden-Berater im Folgenden wieder ein wenig auf die Sprünge.
Das Schiller-Jahr 2005 ist zwar schon längst vorbei. Dennoch: Mit Schiller-Zitaten können Sie immer glänzen. „Daran erkenn‘ ich meine Pappenheimer.“
– „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. “ – „Wehe, wenn sie losgelassen!“ – Einige von Schillers Sätzen sind im Laufe der Jahrhunderte zu
Redensarten geworden. Doch Hand aufs Herz: Kennen Sie noch den Zusammenhang der bekannten Schiller-Zitate? Falls nein, nicht verzagen:
Erstens hilft Ihnen dieser Beitrag aus dem neuen Reden-Berater
im Folgenden wieder ein wenig auf die Sprünge.
Und zweitens geht es Ihrem Publikum höchstwahrscheinlich so wie Ihnen. Das gibt Ihnen die
Chance, den Zuhörern die Zusammenhänge zu erklären. – Eine wunderbare Möglichkeit, Ihre Rede aufzulockern!
- „Daran erkenn ich
meine Pappenheimer“ („Wallensteins Tod“ III, 15)
Mit diesen Worten zollt Wallenstein der „Kürassier“-Abordnung des Pappenheimischen
Regiments seine Anerkennung. Die Pappenheimer hatten ihn vorher zur Rede gestellt, ob er zu den Schweden abzufallen drohe oder dem Kaiser treu bleibe.
Wallensteins Lob ist von ihm ganz und gar ernst gemeint. Heutzutage wird der Ausspruch jedoch nur noch ironisch gebraucht.
- „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ („Wilhelm Tell“ III, 1)
Wilhelm Tell repariert das Hoftor mit der Axt, Hedwig
widmet sich der Hausarbeit, und ihr Sohn Walter spielt singend mit Pfeil und Bogen. Die Mutter hat – wie alle Mütter – etwas gegen das Schießen,
während sich der Vater darüber freut, dass sein Filius so früh zu üben beginnt. Dann beendet Tell seine Arbeit am Hoftor und schließt das Gespräch
mit seiner Frau mit dem obigen Satz ab.
- „Durch diese hohle Gasse muss er kommen“ („Wilhelm Tell“ IV, 3)
Tell
lauert dem Reichsvogt Geßler an einem Hohlweg auf, um ihn zu töten. Ein kluger Plan, denn „es führt kein andrer Weg nach
Küssnacht“.
- „Spät kommt Ihr – doch Ihr kommt!“ („Wallenstein“, „Die Piccolomini“ I, 1)
Feldmarschall Illo
ist ungehalten, weil er so lange auf Graf Isolani, den General der Kroaten, warten musste. Er setzt jedoch verständnisvoll hinzu: „Der weite
Weg, Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen.“
- „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ („Das Lied von der
Glocke“)
„Ob sich das Herz zum Herzen findet“, heißt es eigentlich im Anschluss. „Ob sich nicht noch was Bessres findet“, scherzen wir
heute. Hintergrund: In seiner wohl berühmtesten Ballade beschreibt Schiller die Entstehung einer Glocke, sowie deren Eigenschaften und
Verwendungen, und zieht dabei Parallelen zum Menschen und dem Verlauf des Lebens. In diesem Fall zieht der Dichter das Zusammenfügen von „strengen,
starken“ und „zarten, milden“ Komponenten beim Glockenguss als Vergleich für einen dauerhaft guten Zusammenklang in einer menschlichen
Zweierbeziehung heran.
Viel Erfolg bei Ihren nächsten Reden und Präsentationen.
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