23. Juni 2017
 
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Warum eine gute Rede-Vorbereitung unerlässlich ist

Anekdote aus dem neuen Reden-Berater: Auf einem Kongress wurde ein Schriftsteller gebeten, eine kurze Ansprache zu halten. „Bedaure“, sagte er, „wenn ich 10 Minuten sprechen soll, muss ich das 2 Wochen vorher wissen.“ „Wie lange brauchen Sie denn zur Vorbereitung, wenn Sie eine Stunde sprechen sollen?“, fragte man ihn verwundert. „3 Tage.“ – „Und wenn die Rede 3 Stunden dauern soll?“ – „Dann kann ich sofort beginnen.“

Hand aufs Herz: Würden Sie sich zu einem Tennisturnier anmelden, wenn Sie wüssten, dass Ihre Kondition nur für einen Satz reicht? Würden Sie an einem Marathonlauf teilnehmen, wenn Sie befürchten müssten, dass Ihnen bereits nach einer halben Stunde die Zunge heraushängt? Würden Sie auf das Geratewohl in den Urlaub fahren, ohne für die „wertvollsten Wochen des Jahres“ sorgfältigste Vorbereitungen getroffen zu haben? Weil sie sich nicht vorbereitet haben, erleben viele Menschen immer wieder Enttäuschungen. Dies gilt besonders für das Reden.

Ist Ihnen klar, dass eine Rede, die sich vom Durchschnitt abheben soll, überdurchschnittlich gut vorbereitet sein muss? Von vielen bedeutenden Rednern wissen wir, wie intensiv sie jede einzelne Rede vorbereitet haben.

10 Schritte aus dem neuen Reden-Berater zur fertigen Rede

Schritt 1: Wählen Sie einen Arbeitstitel

Der Titel Ihres Vortrags macht Ihre Zuhörer neugierig. Je schlagkräftiger er ist, desto größer die Köderwirkung. Macht Sie die Schlagzeile in der Zeitung nicht auch neugierig? Einen guten Titel zu finden ist aber gar nicht so einfach. Besonders wenn man noch nicht viel Stoff hat. Deshalb wählen Sie vorerst nur einen Arbeitstitel.

Schritt 2: Erste Stoffsammlung

Bei der ersten Stoffsammlung gehen Sie genauso vor wie der Anfänger beim Briefmarkensammeln: Sie sammeln alles, was Ihnen in die Finger kommt. Alles. Werfen Sie nichts weg! Wer weiß, ob Sie es später nicht doch gebrauchen können?

Wie sammelt man nun Stoff? 3 Möglichkeiten bieten sich Ihnen an:
  • Sammeln Sie eigene Ideen.

  • Informieren Sie sich in der einschlägigen Literatur und im Internet.

  • Führen Sie Gespräche.

Schritt 3: Vorläufige Gliederung

Bei uns herrscht Ordnung! Ein Griff – und schon beginnt die Sucherei. Wie sagt Georg Thomalla: „Wer seine Sachen in Ordnung hält, ist bloß zu faul zu suchen.“ Auch eine Einstellung! Wenn Sie dagegen anderer Meinung sind und Zeit sparen wollen, sollten Sie auf dieser Stufe Ihrer Vorbereitung Ihr Material vorläufig gliedern und in eine bestimmte Reihenfolge bringen.

Schritt 4: Materialergänzung und erste Ausarbeitung

Gehen Sie jetzt noch einmal Ihr erstes Gliederungskonzept durch. Sie werden wahrscheinlich Lücken entdecken, die Sie noch schließen müssen. Suchen Sie – mit Ihrem Gliederungskonzept im Kopf – noch einmal gezielt in Fachbüchern, Fachzeitschriften, bei Fachverbänden und Instituten nach dem fehlenden Material.

Der neue Reden-Berater-Tipp: Durchforschen Sie Ihr Leben nach persönlichen Erlebnissen, die Sie zu diesem Thema hatten. Stellen Sie Zusammenhänge her. Fügen Sie Beispiele, Vergleiche, Anekdoten und kleine Geschichten ein. Diskutieren und besprechen Sie Ihr Thema mit Kollegen und Bekannten. Fragen Sie diese gezielt nach deren Meinung.

Schritt 5: Endgültige Gliederung

Sie bringen jetzt Ihr gesamtes Material in die richtige Reihenfolge. Ist die Gliederung sinnvoll? Entspricht der Umfang der einzelnen Gliederungspunkte ihrer Bedeutung? Leisten alle Gliederungspunkte einen Beitrag zum Ziel Ihres Vortrags? Stellen Sie sich auch jetzt wieder Ihr Publikum vor. Was wollen Sie ihm sagen? Worauf wollen Sie hinaus?

Achten Sie auf Klarheit und leichte Verständlichkeit, auf den inneren Zusammenhang Ihrer Ideen und auf die folgerichtige, sinnvolle Gedankenentwicklung. Ihr Vortrag ist jetzt inhaltlich abgeschlossen und gegliedert.

Schritt 6: Formulieren Sie einen schlagkräftigen Titel

Warum haben wir uns das Formulieren des Titels bis jetzt aufgehoben? Weil wir erst jetzt genau wissen, was die Rede enthält und wie sie aufgebaut ist. Es wird uns jetzt auch leichter fallen, den Titel mit Blick auf den Zuhörer zu formulieren.

Vergessen Sie nicht: Der Titel soll Köderwirkung haben. Vorsicht aber: Er sollte nicht marktschreierisch sein und nicht zu hohe Erwartungen wecken!

Schritt 7: Endkontrolle

Vollenden heißt auch scheinbar kleine Einzelheiten verbessern. Nach einer Woche kreativer Entspannung nehmen Sie jetzt wieder Ihre Unterlagen zur Hand. Checken Sie Ihren Vortrag auf die folgenden Punkte hin durch:

  • Habe ich im „Eifer des Gefechts“ einem Tatbestand zu viel Gewicht beigemessen?

  • Ist ein anderer dafür zu kurz gekommen?

  • Treten die Kernsätze deutlich genug hervor?

  • Ist ein roter Faden erkennbar?

  • Ist der Vortrag logisch aufgebaut?

  • Stimmen die Proportionen der einzelnen Abschnitte?

  • Trifft der Vortrag die Interessen des Publikums?

  • Ist die Beweisführung schlüssig?

  • Stimmen die Übergänge?

Sie werden bei der Endkontrolle feststellen, dass dies und jenes doch noch überflüssig oder nebensächlich ist. Streichen Sie es!

Schritt 8: Die wortwörtliche Ausformulierung

Sie schreiben Ihren Vortrag auf. Wort für Wort. Sie sprechen dabei halblaut vor sich hin. Warum? Weil Sie so am leichtesten über das Papierdeutsch hinwegkommen.

Der neue Reden-Berater-Tipp: Stellen Sie sich auch jetzt wieder vor, wie Ihnen Ihre imaginären Zuhörer beim Schreiben über die Schulter gucken und Sie unablässig mahnen: Eine Rede ist keine Schreibe! Welche Vorteile hat das wortwörtliche Ausformulieren?

  • Beim Aufschreiben haben Sie genügend Zeit, nach dem treffenden Wort zu suchen. Sie verbessern so Ihren Redestil.

  • Durch die motorische Bewegung des Schreibens prägt sich der Stoff leichter ein.

  • Sie haben eine optimale Zeitkontrolle.

Wenn Sie nämlich den wörtlichen Text im richtigen Sprechrhythmus zur Probe laut vorlesen, können Sie ziemlich genau die Zeit stoppen.

Schritt 9: Die Manuskript-Erstellung

Würden Sie es einem Hochseilartisten verübeln, wenn er hoch in der Zirkuskuppel zu seiner Sicherheit mit einem Netz arbeitete? Sicher nicht. Warum sollte er ein unnötiges Risiko eingehen? Genauso wenig verübeln es Ihnen Ihre Zuhörer, wenn Sie mit einem Stichwort-Manuskript arbeiten.

Auch wenn Sie der Meinung sind, kein Manuskript nötig zu haben: Nehmen Sie einen Stichwortzettel mit ans Rednerpult. Denn allein die Gewissheit, einen Rettungsanker dabei zu haben, hilft Ihnen, selbstsicherer zu werden. Sie wissen genau: Mir kann eigentlich gar nichts passieren, auch wenn ich stecken bleibe. Mein Manuskript hilft mir weiter.

Schritt 10: Die Generalprobe

Dazu erzählt Manfred Engel, Autor dieses Beitrags aus dem neuen Reden-Berater, ein persönliches Erlebnis: Ich werde sie nicht vergessen, jene Generalprobe für ein Theaterstück, mit dem wir eine Feier unseres Gymnasiums verschönern wollten. Viele Proben lagen hinter uns. Proben, bei denen wir Spaß hatten. Proben, die uns halfen, immer sicherer zu werden. Aber: Wir hatten immer ohne Publikum geprobt.

Und dieses Publikum machte unsere Generalprobe zu einer einzigen Katastrophe. Dabei waren es nur wenige Leute, die uns zuschauten: ein paar Lehrer, einige Schüler, Freunde. Aber allein die Tatsache, dass wir jetzt zum ersten Mal vor – wenn auch nur wenigen – Zuschauern spielten, ließ uns den Text vergessen. Und doch war die Generalprobe letztlich ein Erfolg.

Warum? Sie hat uns vorgewarnt. Sie hat uns auf den Ernstfall vorbereitet. Zugegeben: In jedem Gespräch ist es wichtig, sich gut darzustellen. Umso wichtiger ist dies jedoch, wenn Sie vor Publikum eine Rede halten sollen. Ohne Vorbereitung kann dies leicht zum Fiasko werden.

Es ist noch kein Rhetorik-Meister vom Himmel gefallen. Wenn Sie erkennen, wie wichtig die Vorbereitung ist, können Sie Ihre Wirkung um ein Vielfaches multiplizieren. Damit nutzen Sie die Chance, sich von anderen abzuheben.
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Kurz-URL für Presse: www.reden-und-praesentieren.de/5883
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